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    Wasservogelexkursion: Von Stein am Rhein/SH nach Eschenz/TG am Untersee

Pressemitteilungen

publiziert im Oltner Tagblatt vom 28.10.2016

 

von Sarah Wyndler, Olten


Gefiederte Zuzüger in Olten Südwest


 

Eine Watvogelfamilie aus dem hohen Norden hat sich im neuen Quartier niedergelassen.

 

Watvögel, auch Limikolen genannt, bewohnen vor allem die Küstenregionen und Tundragebiete des hohen Nordens. Wie der Name Watvogel erahnen lässt, sind sie häufig im seichten Wasser und an Gewässerufern auf der Suche nach Insekten, Würmern oder kleinen Krebstieren zu sehen. In der Schweiz sind sie spärlich anzutreffen. Am häufigsten sind sie während den Zugzeiten im Frühjahr und Herbst in Feuchtgebieten zu beobachten.
In diesem Jahr haben Ornithologen auch in Olten Watvögel beobachtet. Die brachliegenden Flächen in Olten Südwest haben für viele seltene Tiere und Pflanzen einen grossen Wert als Lebensraum. Bis anhin sind in diesem Gebiet über 100 verschiedene Vogelarten gesichtet worden, unter anderem auch Watvögel auf der Durchreise. Im letzten Frühjahr hat sich sogar ein Paar Flussregenpfeifer niedergelassen.
Ursprünglich bewohnte der Flussregenpfeifer natürliche Kiesflächen entlang von Flüssen, heute ist er bei uns fast nur noch in Kiesgruben anzutreffen. In der ganzen Schweiz gibt es nur rund 100 Brutpaare und er gehört damit zu den stark gefährdeten Arten der Roten Liste.
Der Flussregenpfeifer, ein kleiner braunweisser Vogel mit einer schwarzen Maske und gelbem Augenring, ist etwas grösser als ein Sperling und fällt auch geübten Beobachtern einzig durch Bewegungen im Kies auf.
Noch schwieriger zu sehen sind die Eier, die auf den Boden zwischen die Steine gelegt werden. Als die Ornithologen in Olten Südwest den brütenden Flussregenpfeifer bemerkten, haben sie die Kiesfläche mit einem Band markiert und auf die seltenen Vögel hingewiesen. Denn die Gefahr ist gross, dass Leute auf das «unsichtbare» Nest treten oder die Vögel vom Nest vertreiben. Die Freude war gross, als nach ein paar Wochen Brutdauer frisch geschlüpfte Jungvögel umherrannten.
Als Nestflüchter begannen die Jungvögel sofort mit dem Picken nach Würmern und Insekten. Die flugunfähigen Jungvögel schienen eine einfache Beute für die herumstreifenden Katzen zu sein. Glücklicherweise wussten sich die Vogeleltern zu helfen und lenkten die Aufmerksamkeit der Räuber durch Vortäuschen eines gebrochenen Flügels auf sich und lockten diese von den Jungvögeln weg. Die gemeinsamen Anstrengungen von Vogeleltern und Ornithologen machten sich denn auch bezahlt. Die Jungvögel konnten gerettet werden.
In der Zwischenzeit ist das Gelände wieder leer. Die Familie der Flussregenpfeifer ist bereits unterwegs in ihr Winterquartier in Afrika. Wer in der Zwischenzeit Watvögel beobachten will, kann dies in der Städtischen Volière tun. Dort ist der Amerikanische Stelzenläufer zu beobachten. Mit seinem nadelförmigen Schnabel, den langen roten Beinen und dem schwarz-weissen Gefieder ist er dem europäischen Stelzenläufer sehr ähnlich.
Nur die weissen Anteile am Kopf und Nacken unterscheiden den Exoten von der europäischen Art. Watvögel in ihren verschiedenen Kleidern zu bestimmen, ist selbst für versierte Fachpersonen eine Herausforderung. Umso grösser dann die Freude, sie von Nahem betrachten zu können.

 

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Altvogel
 
 
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 Unscheinbar in eine Kiesmulde gelegt: Die Eier des Flussregenpfeifers
 
 
 
 
publiziert im Oltner Tagblatt, 8. März 2014
 
von Dominik Hagist, Olten
 

Nicht nur die Rötelschwalbe war letztes Jahr zu Gast.


 

Kiebitze, Raubwürger, Ortolane: 188 Vogelarten sorgten letztes Jahr für spannende Beobachtungen in der Vogelwelt.

 

 

Im letzten Jahr startete der Ornithologische Verein Olten auf seiner Website (www.ovolten.ch) eine Jahresartenliste. Damit möchte der Verein darauf aufmerksam machen, wie viele Vogelarten während einem Jahr in unserer Region beobachtet werden und wann die verschiedenen Vogelarten zum ersten Mal gesehen werden. Als Region zählen hier die Bezirke Olten, Gösgen und Gäu und unmittelbar angrenzende Gebiete.

2013 war ornithologisch ein sehr interessantes Jahr, insgesamt wurden 188 verschiedene Vogelarten registriert. Im folgenden Bericht blicken wir auf einige der ornithologischen Besonderheiten vom letzten Jahr zurück.  

Vögel können fast überall und zu jeder Jahreszeit beobachtet werden. Besonders interessant sind die Zugzeiten im Frühling und im Herbst, wenn neben den heimischen Vogelarten auch viele Brutvögel aus Nord- und Osteuropa bei uns vorbeikommen. Für die Jahresartenliste ist die Zeit zwischen Mitte März und Ende April besonders spannend, in dieser Zeit können fast täglich neue Arten entdeckt werden, die aus ihrem Winterquartier zurückkommen. Im Mai treffen dann die letzten einheimischen Zugvögel ein und die Liste der regelmässig auftretenden Arten geht langsam zu Ende. Im restlichen Jahresverlauf kommen meistens nur noch wenige, meist regional seltene Arten, hinzu.

Zu den interessantesten Beobachtungsgebieten gehören Feuchtgebiete und Gewässer. Auch wenn bei uns an der Aare verhältnismässig wenig Wasservögel zu sehen sind, konnten zwischen dem Stau Wynau und Erlinsbach eine ganze Reihe verschiedener Wasservögel aufgespürt werden. Löffelente, Bergente, Seiden- und Purpurreiher, Sichel- und Alpenstrandläufer waren einige seltene Gäste im letzen Jahr, für grosse Überraschungen sorgten Rallenreiher, Trauer- und Raubseeschwalbe, die sich noch kaum je in der Region blicken liessen. Die Gewässer ziehen neben Wasservögeln auch viele andere Vogelarten an, z.B. Schwalben, die über dem Wasser nach Insekten jagen. Letztes Jahr wurde unter hunderten von Mehl- und Rauchschwalben auch eine Rötelschwalbe entdeckt und mit Fotos dokumentiert. Diese südeuropäische Art wurde zum ersten Mal in der Region beobachtet.

Im Kulturland sind zwar viele Vogelarten als Brutvögel verschwunden, da sie im heutigen Landwirtschaftssystem keinen Platz mehr haben. Vor allem im Frühling und im Herbst lohnt es sich aber trotzdem die Felder nach rastenden Gastvögeln abzusuchen. Regelmässig waren Steinschmätzer, Schafstelze und Braunkehlchen zu beobachten, mit etwas Glück konnten auch Arten entdeckt werden, die im Schweizer Mittelland als Brutvögel stark zurückgegangen oder ganz verschwunden sind u.a. Kiebitze, Raubwürger, Ortolane, Wendehals und Wiedehopf . Sie bleiben meistens nur kurze Zeit bei uns und ziehen dann weiter in nördlicher gelegene Brutgebiete.

Manchmal lohnt sich auch ein Spaziergang in der Stadt, um seltene Vögel zu sehen. So konnten im letzten Jahr mehrmals Fischadler beobachtet werden, die der Aare entlang direkt über Olten hinweg zogen und einmal kam sogar ein Trupp der farbenprächtigen Bienenfresser vorbei. Ein besonderes Schauspiel fand Anfang November statt, als mehrere Kranich-Trupps vorbei zogen auf dem Weg in ihre Winterquartiere, diese eleganten Vögel konnten in den letzten Jahren häufiger beobachtet werden, besonders im Spätherbst. Wir sind gespannt, ob sie auch in diesem Jahr wieder vorbeikommen.

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